Seit 2010 ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung von den Vereinten Nationen offiziell als Menschenrecht anerkannt. Doch zwischen rechtlichem Anspruch und gelebter Realität klafft für Milliarden Menschen eine gewaltige Lücke.

Am 28. Juli 2010 erklärte die UN-Generalversammlung mit der Resolution 64/292 den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung zu einem Menschenrecht. Das war ein historischer Schritt – denn er macht Wasser von einer Ware zu einem Anspruch, den jeder Mensch geltend machen kann.
Wie gross ist die Lücke?
Nach dem WHO/UNICEF-Bericht (JMP 2023) hatten rund 2,2 Milliarden Menschen keinen sicher verwalteten Zugang zu Trinkwasser, und etwa 3,5 Milliarden lebten ohne sicher verwaltete Sanitärversorgung. Verschmutztes Wasser zählt damit weiterhin zu den grössten Gesundheitsrisiken weltweit, besonders für Kinder.
Drei Bausteine für echtes Wasserrecht
- Anerkennung: Das Recht muss in nationalen Gesetzen verankert und einklagbar sein.
- Infrastruktur: Brunnen, Leitungen und Kläranlagen müssen auch abgelegene und arme Regionen erreichen.
- Gerechtigkeit: Wasser muss bezahlbar bleiben und darf nicht den Wohlhabenden vorbehalten sein.
Diese drei Punkte greifen ineinander. Ohne Infrastruktur bleibt das Recht ein leeres Versprechen; ohne faire Preise wird es zum Privileg. Und ohne ausreichende Ressourcen verschärft die globale Wasserknappheit die Verteilungsfrage zusätzlich.
Wasser, Würde und Konflikt
Wo Wasser fehlt, geraten Gesundheit, Bildung und Gleichberechtigung unter Druck – oft tragen Frauen und Mädchen die Hauptlast des stundenlangen Wasserholens. Zugleich kann knappes Wasser Spannungen verschärfen. Sauberes Trinkwasser für alle ist deshalb auch ein Beitrag zu Stabilität und Frieden, wie ihn die globale Umweltdiplomatie anstrebt.
Häufige Fragen
Seit wann ist Wasser ein Menschenrecht?
Seit dem 28. Juli 2010, als die UN-Generalversammlung die Resolution 64/292 verabschiedete.
Wie viele Menschen haben keinen sicheren Wasserzugang?
Laut WHO/UNICEF (2023) rund 2,2 Milliarden Menschen beim Trinkwasser und etwa 3,5 Milliarden bei der Sanitärversorgung.
Bedeutet das Menschenrecht, dass Wasser gratis ist?
Nein. Es bedeutet, dass Wasser verfügbar, sicher, zugänglich und bezahlbar sein muss – nicht zwingend kostenlos, aber nicht unerschwinglich.
Was kann ich beitragen?
Bewusster Wasserverbrauch, die Unterstützung seriöser Hilfsorganisationen und politisches Engagement für faire Wasserpolitik sind wirksame Hebel.
Fazit
Ein Recht auf dem Papier rettet noch keinen Tropfen. Damit sauberes Wasser für alle Wirklichkeit wird, braucht es Investitionen, faire Regeln und politischen Willen. Wasser ist die Grundlage von Gesundheit, Würde und Frieden – und genau deshalb ein Menschenrecht, das verteidigt werden muss.

