Greenwashing: Wie Unternehmen Nachhaltigkeit vortäuschen

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Greenwashing bezeichnet die gezielte Irreführung von Konsumierenden durch Unternehmen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen als umweltfreundlicher darstellen, als sie tatsächlich sind. Erkennbar wird es an vagen Begriffen ohne Beleg, fehlenden Zertifizierungen und Werbeversprechen, die den realen ökologischen Effekt eines Produkts deutlich übertreiben.

Nachhaltigkeit ist für Konsumierende in der Schweiz längst ein Kaufkriterium und kein Randthema mehr. Immer mehr Unternehmen bewerben ihre Produkte deshalb als umweltfreundlich, um bei umweltbewussten Käuferinnen und Käufern zu punkten. Wer genauer hinschaut, entdeckt dabei regelmässig Lücken zwischen Werbeversprechen und tatsächlicher Umweltbilanz. Wie genau sich ein einzelner Betrieb prüfen lässt, zeigt der Beitrag Mediterana: Nachhaltigkeit, Wasserverbrauch & Öko-Bilanz eines Thermenresorts, der Wasserverbrauch und Ökobilanz eines Thermenresorts im Detail durchleuchtet.

Was ist Greenwashing genau?

Greenwashing ist eine Marketingstrategie, bei der sich ein Unternehmen nachhaltiger präsentiert, als es seine Produktion, Lieferkette oder Produkte rechtfertigen. Der Begriff setzt sich aus „green» und „whitewashing» zusammen und beschreibt damit ziemlich genau, worum es geht: Ein Unternehmen tüncht sein Image grün, ohne die dahinterliegenden Prozesse entsprechend zu verändern. Häufig reicht eine PR-Kampagne mit passenden Bildern und Schlagworten, während an der eigentlichen Produktion nichts angepasst wird.

Warum Unternehmen zu Greenwashing greifen

Der Hauptgrund ist wirtschaftlich. Produkte mit einem grünen Image lassen sich häufig zu höheren Preisen verkaufen, weil Käuferinnen und Käufer bereit sind, für ein gutes Gewissen mehr zu bezahlen. Sobald ein Kunde glaubt, mit dem Kauf etwas für die Umwelt zu tun, sinkt seine Preissensibilität spürbar. Greenwashing ist deshalb ein rechnerisch attraktiver Weg, Umsatz zu steigern, ohne in CO2-Reduktion, faire Lieferketten oder kreislauffähige Materialien zu investieren.

Woran Sie Greenwashing erkennen

Ein einzelnes Warnsignal beweist noch wenig, mehrere zusammen schon eher. Typische Hinweise sind:

  • Werbeaussagen wie „umweltfreundlich», „nachhaltig» oder „bio» ohne Zahlen, Prüfsiegel oder Quellenangabe
  • fehlende oder oberflächliche Angaben zu Lieferkette, Materialherkunft oder Energieverbrauch
  • ein einzelnes grünes Produkt in einem ansonsten unveränderten Sortiment
  • Zertifikate, die vom Unternehmen selbst vergeben wurden, statt von einer unabhängigen Prüfstelle

Zertifizierungen, auf die Sie sich verlassen können

Nicht jedes Label hält, was es verspricht. Einige sind aber unabhängig geprüft und deshalb eine verlässliche Orientierung: das EU Ecolabel, der Blaue Engel, FSC für Holz- und Papierprodukte, Fairtrade für Handelsketten und in der Schweiz die Bio-Suisse-Knospe für Lebensmittel. Wer zusätzlich bei Bioprodukten gezielt auf solche Siegel achtet, senkt das Risiko, auf reine Marketingversprechen hereinzufallen. Fehlt ein anerkanntes Siegel, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Herstellerangaben.

Rechtlicher Rahmen: Was sich gerade ändert

In der Schweiz schützt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) Konsumierende grundsätzlich vor irreführender Werbung, auch bei Umweltversprechen. Auf EU-Ebene zielt die geplante Green Claims Directive in eine ähnliche Richtung: Unternehmen sollen Umweltaussagen künftig mit überprüfbaren Daten belegen müssen, bevor sie damit werben dürfen. Bis entsprechende Regeln flächendeckend greifen, bleibt die Prüfung einzelner Aussagen vorerst Aufgabe der Konsumierenden selbst.

Was Sie als Konsument:in konkret tun können

Wer unsicher ist, kann beim Unternehmen direkt nach Belegen fragen oder Herstellerangaben mit unabhängigen Prüfberichten vergleichen. Auch der Beitrag Green Marketing: Wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeit kommunizieren können zeigt, woran sich ehrliches von inszeniertem Engagement unterscheiden lässt. Wer seine Anschaffungen zudem im Sinn des Beitrags Verantwortungsbewusster Konsum: Wie wir unsere Einkäufe überdenken hinterfragt, statt auf ein einzelnes grünes Etikett zu vertrauen, trifft meist fundiertere Entscheidungen. Ergänzend lohnt sich ein Blick in Umweltkatastrophen: Was können wir daraus lernen?, denn Konsumentscheidungen und ökologische Folgen hängen eng zusammen.

Häufige Fragen zu Greenwashing

Ist Greenwashing in der Schweiz verboten?

Der Begriff selbst ist nicht verboten, doch irreführende Werbeaussagen fallen unter das UWG. Wer nachweislich falsche Umweltversprechen macht, kann rechtlich belangt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Greenwashing und Greenhushing?

Greenwashing übertreibt Nachhaltigkeitsleistungen, Greenhushing verschweigt sie fast vollständig, meist aus Angst vor Kritik oder rechtlichen Konsequenzen. Beides erschwert eine informierte Kaufentscheidung.

Reicht ein Prüfsiegel als Nachweis für echte Nachhaltigkeit?

Ein unabhängig vergebenes Siegel wie das EU Ecolabel oder die Bio-Suisse-Knospe ist ein guter erster Hinweis, ersetzt aber keine eigene Prüfung der Herstellerangaben.

Woran erkenne ich vage Nachhaltigkeitsversprechen am schnellsten?

An fehlenden Zahlen. Schreibt ein Unternehmen nur „umweltfreundlich», ohne Prozentsätze, Zeiträume oder Vergleichswerte zu nennen, handelt es sich meist um eine reine Werbeaussage ohne Substanz.

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