Echter Notfall vs. Dringender Termin: Der Unterschied
Der zahnärztliche Notdienst ist für Situationen gedacht, die keinen Aufschub dulden. Er ist nicht dafür da, ausgefallene Vorsorgetermine nachzuholen oder schon lange bestehende Probleme zu beheben. Wenn du unsicher bist, hilft oft ein Blick auf die Begleitsymptome wie Fieber oder Schwellungen.
Entscheidungshilfe: Wann muss ich sofort los?
Diese Tabelle bietet dir eine schnelle Orientierung für den Ernstfall:
| Situation | Handlungsbedarf | Was tun? |
|---|---|---|
| Zahn ausgeschlagen | Sofort (Notfall) | Zahn suchen, feucht halten (Milch/Box), sofort zum Arzt! |
| Starke Schwellung («Dicke Backe») | Sofort (Notfall) | Besonders bei Fieber/Schluckbeschwerden: Sofort handeln |
| Nachblutung nach OP | Sofort (Notfall) | Wenn Blutung durch Aufbeissen auf Tupfer nicht stoppt |
| Leichte Zahnschmerzen | Warten möglich | Schmerzmittel nehmen, Montag anrufen |
| Füllung/Krone verloren | Warten möglich | Zahn vorsichtig putzen, Montag Termin machen (sofern keine starken Schmerzen) |
Die häufigsten Notfälle im Detail
1. Unfallverletzungen (Zahnfraktur)
Ist ein Stück Zahn abgebrochen oder der Zahn ganz ausgeschlagen, zählt jede Minute. Die empfindliche Wurzelhaut darf nicht austrocknen. Ein ausgeschlagener Zahn kann oft wieder eingepflanzt werden, wenn er innerhalb von 30 bis 60 Minuten professionell versorgt wird.
2. Akute Entzündungen und Abszesse
Eine «dicke Backe» ist mehr als nur ein kosmetisches Problem. Sie deutet oft auf einen Abszess hin – eine Eiteransammlung, die sich in den Kieferknochen oder das Weichgewebe ausbreiten kann. Kommen Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu, solltest du den Notdienst nicht scheuen.
3. Nachblutungen
Hattest du gerade eine Zahnentfernung oder Implantat-OP? Leichter Blutgeschmack ist normal. Wenn die Wunde jedoch stark blutet und sich durch Druck (auf ein sauberes Stofftaschentuch beissen) nicht stoppen lässt, ist dies ein Fall für den Notarzt.
Erste Hilfe zu Hause: Was du bis zum Termin tun kannst
Wenn kein direkter Notfall vorliegt, kannst du die Zeit bis zur regulären Sprechstunde oft gut überbrücken:
- Kühlen: Bei Schwellungen hilft ein kalter Waschlappen (kein Eis direkt auf die Haut!) von aussen.
- Schmerzmittel: Ibuprofen oder Paracetamol können helfen. Vermeide Aspirin (ASS), da es blutverdünnend wirkt, was bei möglichen späteren Eingriffen ungünstig ist.
- Nelkenöl: Ein altes Hausmittel, das bei leichten Schmerzen betäubend wirken kann.
Fazit: Sicher durch den Notfall
Zahnnotfälle sind stressig, aber mit dem richtigen Wissen meist gut beherrschbar. Merke dir: Unfall, unstillbare Blutung oder Fieber mit Schwellung sind Fälle für den Notdienst. Ein herausgefallenes Inlay oder leichter Schmerz kann oft bis zum nächsten Werktag warten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie finde ich den zahnärztlichen Notdienst in Biel?
Die aktuelle Notdienstnummer für die Region Biel findest du online auf der Seite der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) oder unter der zentralen Notfallnummer 0844 22 40 44, die dich an den diensthabenden Zahnarzt in deiner Region weiterleitet.
Muss ich nachts extra Gebühren zahlen?
Ja, im Notdienst werden meist Zuschläge für Behandlungen ausserhalb der regulären Öffnungszeiten berechnet. Diese sind in der Schweiz üblich und werden teilweise von deiner Krankenkasse übernommen – abhängig von deiner Zusatzversicherung.
Was mache ich, wenn ein Zahn ausgeschlagen ist?
Ruhe bewahren! Suche den Zahn und fasse ihn nur an der Zahnkrone an, niemals an der Wurzel. Bewahre ihn feucht auf – am besten in einer Zahnrettungsbox (Apotheke) oder in kalter, haltbarer H-Milch. Wasser ist schlechter, aber besser als trockene Lagerung. Fahre sofort zum Zahnarzt!
Kann ich mit Zahnschmerzen in die Notaufnahme ins Spital?
In der Regel nein. Allgemeine Spitäler haben oft keine Zahnstation. Du solltest den zahnärztlichen Notdienst anrufen. Nur bei schweren Unfällen, Kieferbrüchen oder lebensbedrohlichen Schwellungen ist die Klinik (Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie) die richtige Adresse.
Übernimmt die Krankenkasse die Notfallbehandlung?
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) übernimmt in der Schweiz nur bestimmte zahnärztliche Leistungen, hauptsächlich bei Unfällen oder schweren Erkrankungen. Für Notfallbehandlungen empfiehlt sich eine Zahnzusatzversicherung.